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Wirkstoffe im Überblick – MS behandeln

Wenn du gerade deine Diagnose bekommen hast, werden dir die Ärzte sicher nahegelegt haben, dass du schnellstmöglich mit einer Basistherapie beginnen sollst. Aber auch, wenn du schon länger von deiner MS weißt, beschäftigt dich das Thema ” Wirkstoffe ” gerade vielleicht.  In diesem Beitrag erkläre ich dir, warum uns eine Basistherapie empfohlen wird und welche Medikamente aktuell zur Verfügung stehen.

Denn nicht jeder der Wirkstoffe passt zu jedem und manchmal ist auch aufgrund der Verschlimmerung der Multiplen Sklerose ein Wechsel nötig.

Ich saß aufrecht in meinem Krankenhausbett, als mir die Oberärztin mir sagte, dass die Diagnostik Multiple Sklerose aufgedeckt hat. Direkt im Folgesatz hat sie mir empfohlen schnellstmöglich mit einer Therapie zu starten. Erst dachte ich, sie meinte eine psychologische Behandlung. Gemeint war aber eine medikamentöse. Denn klinische Studien beweisen, dass eine medikamentöse Behandlung der MS von Beginn an, den Übergang von der schubförmigen MS in den fortschreitenden Verlauf verzögern kann.

Eine Basistherapie soll also die Schubrate verringern.

Dadurch werden auch in deiner aktuellen Verlaufsform, Schädigungen verringert oder verhindert. Kognitive Einschränkungen, die durch Entzündungen im Gehirn auftreten und oft zunächst unbemerkt bleiben, können durch die Basistherapie ebenfalls reduziert oder sogar gestoppt werden. In diesem Ärzteblatt findest du dazu einige Informationen.

Immunmodulatoren und Immunsuppressiva

Ein zügiger Therapiestart mit einem immunmodulierenden oden immunsupressiven Mittel, kann die Krankheitsaktivität unterdrücken und dadurch das Auftreten von der durch die MS verursachten Einschränkungen verzögern. Da bei der MS dein Immunsystem aus dem Gleichgewicht geraten ist, greifen die empfohlenden Wirkstoffe direkt in dein Abwehrsystem ein: Immunmodulatoren verändern dein Immunsystem, indem sie als Botenstoffe agieren und somit das Gleichgewicht zwischen entzündungsförderden und – hemmenden Faktoren wieder  herstellen können.. Immunsppressiva unterdrücken dein Immunsystem. Das bedeutet, sie unterdrücken die Abwehrzellen deines Körpers. So können diese dein Nervensystem nicht weiter angreifen. Mache Immunsuppressiva hemmen fast alle Zellen andere nur gezielt einzelne Zellen deines Immunsystems.

Sicher hast du schon gehört, dass die Multiple Sklerose auch die Krankheit der tausend Gesichter ist.

Was sich wie ein Werbeslogan anhört, ist aber die Realität. Und genauso unterschiedlich, wie die Krankheit verläuft, genauso unterschiedlich wirken die Mittel zur Behandlung. Auch ihre Veträglichkeit unterscheidet sich von Patient zu Patient. Und auch, wenn dir ein schneller Therapiestart nahegelegt wurde, ein wenig Zeit, um die zu informieren, solltest du dir nehmen. Mir wurde damals direkt ein Mittel verschrieben. Das habe ich so hingenommen und es einfach geschluckt. Für die verschiedenen Verläufe stehen aber unterschiedliche Mittel in verschiedenen Darreichungsformen zur Verfügung. Du kannst also versuchen, ein Mittel zu finden, dass sich möglichst gut in dein bisheriges Leben einfügen lässt. Mir passt es einfach nicht, zweimal täglich eine Tablette zu schlucken, die bei mir Bauchweh und Übelkeit verursacht.

Ich mag nicht jeden Tag an meine MS denken.

Dreimal pro Woche eine Spritze setzen und sonst Ruhe zu haben, passt für mich einfach besser. Also hole dir in aller Ruhe Informationen ein. Über die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft kannst du per Email Medikamenteninformationen zu den einzelnen erhältlichen Medikamenten anfordern. Und selbstverständlich sollte dein Neurologe ein passender Ansprechpartner sein. Ich habe meinen Neurologen gewechselt. Mir waren, auch auf Nachfragen, die Informationen die ich erhalten habe, zu wenig. Ich bin nun in einem MS – Zentrum in Behandlung und fühle mich gut aufgehoben.

Die Wirkstoffe im Überblick

Für die verschiedenen Verlaufsformen stehen unterschiedliche Wirkstoffe zur Verfügung. Bei den meisten tritt die Multiple Sklerose zunächst schubförmig auf und verläuft mild bis moderat.

Bei milden bis moderaten Verläufen werden folgende Wirkstoffe eingesetzt:

 

Glatirameracetat (Copaxone)

– wird subcutan injeziert (täglich oder dreimal wöchentlich)

Präparat, dessen Zusammensetzung einem Eiweiß in Gehirn und Rückenmark ähnelt

Vermutete Wirkung: unter anderem Aktivierung entzündungshemmender Immunzellen

 

  Dimethylfumarat (Tecfidera)

– zwei Kapseln am Tag

Wirkstoff, der einem körpereigenen Stoff des Energiestoffwechsels ähnelt

Wirkung vermutlich über Reduzierung von oxidativem Stress und durch entzündungshemmende Eigenschaften

 

Teriflunomid (Aubagio)

– eine Tablette am Tag

Gehört zur Gruppe der selektiven Immunsuppressiva

Vermuteter Wirkmechanismus: Autoreaktive B- und T-Zell Antworten

werden gedämpft, da Teriflunomid der Vermehrung sich schnell teilender

Zellen entgegen wirkt

 

Interferone (Rebif | Avonex | Plegridy | Betaferon)

– Injektion, je nach Präparat unter die Haut

(alle zwei Tage/ mehrmals pro Woche / alle zwei  Wochen) oder in den Muskel (einmal pro Woche)

Hormoneller Wirkstoff mit vielfältigen Effekten auf das Immunsystem

Vermuteter Wirkmechanismus: unter anderem vermehrtes Ausschütten

antientzündlicher Botenstoffe sowie Verminderung des Eindringens von

Immunzellen ins ZNS

 

Bei aktiven oder hochaktiven Verläufen werden folgende Medikamente eingesetzt

 

Alemtuzumab (Lemtrada)

– als Infusion in zwei Behandlungsphasen im Abstand von einem Jahr

Antikörper, der insbesondere B- und T-Zellen zerstört

Wirkt vermutlich über die Reduktion der Zahl krankheitsauslösender Zellen

 

 Fingolimod (Gilenya)

– einmal täglich als Kapsel

Molekül, das an bestimmte Rezeptoren auf Immunzellen und Zellen im ZNS bindet

Wirkt vermutlich über das Zurückhalten von Immunzellen in den Lymphknoten

 

Cladribin (Mavenclad)

– als Tablette in zwei Behandlungsphasen im Abstand von einem Jahr

Wirkstoff, der vor allem in B- und T-Zellen in den Stoffwechsel des Erbguts eingreift und zu deren Zelltod führt

Wirkt vermutlich über die Reduktion der Zahl krankheitsauslösender Zellen

 

Natalizumab (Tysabri)

– alle vier Wochen als Infusion

Antikörper, der verhindert, dass bestimmte Immunzellen ins ZNS einwandern

 

Für die primär progrediente MS ist derzeit mit dem Wirkstoff  Ocrelizumab (Ocrevus) nur ein Präparat auf dem Markt. Zu Therapiebeginn werden im Abstand von 14 Tagen zwei Infusionen verabreicht. Im weiteren Verlauf gibt es alle sechs Monate eine Infusion.

 

Welche Verlaufsform deine Multiple Sklerose hat, wird dein Neurologe mit dir besprechen. Im Idealfall gibt er dir eine Liste mit möglichen Medikamenten, über die du dich dann intensiv informieren kannst, um das für dich passendste heraus zu finden. Bei vielen Medikamenten sind die Nebenwirkungen zu Beginn oft besonders stark. Du solltest da im Austausch mit deinem Neurologen bleiben und gemeinsam mit ihm besprechen, ob dieses Mittel passt oder ob du lieber ein anderes Präparat austesten solltest. Auf keinen Fall solltest du dich zu irgendetwas drängen lassen und immer eines im Hinterkopf behalten: es ist dein Körper!

 

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